Jörg Schmiedekind Fotografie
Anfang der 80er Jahre entwickelte sich mein Interesse an der Fotografie. Sie diente mir als Lieferant von Bildvorlagen für die fotorealistische Malerei, nachdem ich mich mit Plagiaten von Magritte, Max Ernst und Tanguy am Surealismus satt gemalt hatte.
Am Fotorealismus faszinierte mich der Gegensatz von präziser Darstellung und banalem Bildinhalt. Durch den großformatigen Fotorealismus wurden die Motive mit Bedeutung aufgeladen. Diesen Effekt wollte ich nutzen, wobei mein Interesse der gebauten Alltagsumgebung galt. Die fotorealistische Darstellung von Alltagsumgebung sollte die Frage nach dem Sinn der Bilder und der Bildinhalte provozieren.

Ludwigshafen

In meiner alten Heimatstadt fand ich schnell ein Thema: die Hochstraßen und ihre damals noch wunderbar gelben Schilder. Mit dem geeigneten Bildausschnitt wurde der gewohnte Kontext ausgeblendet um der vertrauten Betrachtungsweise bezüglich der städtebaulich und ästhetisch diskreditierten Hochstraße zu widersprechen.
Die meisten Ludwigshafener sind überzeugt, in einer unattraktiven und uninteressanten Umgebung zu leben. Schon beim Fotografieren wird man daher mit Unverständnis und Verwunderung konfrontiert.
Die Fülle banaler Motive und die langwierige Maltechnik führten dazu, dass ich die Malerei aufgab und mich mit der Fotografie 'begnügte'. Noch heute, nach über 20 Jahren in Berlin, fahre ich gerne nach Ludwigshafen, um dort uninteressante Dinge zu fotografieren.

Berlin

Weitaus schwieriger empfand ich die Lage in Berlin. Alles scheint hier schon endlos oft fotografiert worden zu sein, ständig drohen Postkartenmotive, und fast immer hat man andere Fotografen um sich herum. Das unbefangene Fotografieren jenseits der touristischen Oberfläche ist schwieriger als in der unbeachteten Provinz. Was ist in dieser Stadt uninteressant genug, es trotzdem zu fotografieren?

Unverbaute Bilder

Ab und zu benutze ich die Kamera in unbebauter Umgebung. Auch hier interessiert mich weniger das Spektakuläre, als vielmehr das 'Gewöhnliche'. Denn oft ist das Gewöhnliche spektakulär genug.